Galileo-Thermometer gebaut
20. Mai 2010
In den letzten Wochen dieses Schuljahres erreichen viele Projekte ihren Abschluss. Ein ganz besonderes Projekt wurde am 20.05.2010 von der Fachoberschulklasse 12FOW2 der Beruflichen Schulen Kirchhain abgeschlossen: sie fuhr zusammen mit ihrem Chemielehrer, Studiendirektor Bernd Heep, und ihrer Klassenlehrerin, Oberstudienrätin Sabine Steeg-Hintermeier, nach Nancy um dort ein Thermometer in einer Parkanlage zu installieren.
Im Chemieunterricht hatten die 22 Schülerinnen und Schüler ein Galileo-Thermometer in Übergröße gebaut, welches in Nancy (Frankreich) in einem Park für Demenzkranke aufgestellt wurde.
Über einen persönlichen Kontakt des Chemielehrers, Herrn Studiendirektor Bernd Heep, entstand die Verbindung zur Chefärztin der Klinik in Nancy, Dr Jonvier. Zu dem innovativen Konzept der Klinik gehört ein Park, in dem Patienten und Besucher sich nicht nur wohlfühlen, sondern auch geistig angeregt werden sollen. Das Thema „Wetter“ beschäftigt die Menschen tagtäglich und eine anschauliche Wetterstation, die die Patienten sinnlich anspricht und zum Spaziergang nach draußen lockt, war der Wunsch der Klinik, dem die Klasse nach kam.
Über ein ganzes Halbjahr hinweg arbeiteten die Schülerinnen und Schüler mit den unterschiedlichsten Materialien und mussten ihre ganze Vorstellungskraft und Organisationsfähigkeit einbringen um am Ende erfolgreich zu sein. Da das Thermometer in dieser Größe neu entwickelt wurde, mussten zum Teil auch Rückschläge verkraftet werden, denn nicht alle Materialien konnten die Anforderungen erfüllen und so mussten neben den chemischen Versuchen auch Firmen angeschrieben, Angebote eingeholt und Preise verglichen werden.
Das Thermometer basiert auf der von Galileo entdeckten Tatsache, dass Flüssigkeiten eine unterschiedliche Dichte aufweisen, wenn sich die Temperatur verändert. Es besteht aus einem Kunststoffzylinder, der Ethanol enthält. In diesem schwimmen oder schweben mehrere Glaskugeln, an denen ein Kupferschildchen mit einer Temperaturzahl befestigt ist. Auch die Glaskugeln sind mit Flüssigkeit gefüllt und verändern ihre Position innerhalb des Zylinders, je nach Außentemperatur. Die mittlere Kugel zeigt jeweils die aktuelle Temperatur an. Patienten der Klinik können also auf einen Blick die Außentemperatur erkennen. Durch die am Tage stattfindenden Temperaturveränderungen, kann man dem „Schweben“ der Kugeln zusehen.
Eine weitere Besonderheit bei diesem grenzüberschreitenden Projekt war die Zusammenarbeit mit dem Lycee Emmanuel Here, einem technischen Kolleg in Nancy. Im Internat dieser Schule erhielten die Schüler und Schülerinnen Kost und Logis und hatten auch die Möglichkeit den französischen Unterricht zu besuchen. Da Deutsch, Englisch und europäische Studien zum Lehrplan gehören, war die Verständigung mit den französischen Schülern nicht schwer und das große Interesse der französischen Schüler am gemeinsamen Projekt war eine besonders positive Überraschung. Eine französische Schreinerklasse hatte es übernommen, einen Sockel und eine Überdachung zu bauen, um das Thermometer richtig zur Geltung zu bringen und vor zu starker Sonneneinstrahlung zu schützen.
Obwohl sowohl von französischer als auch von deutscher Seite sehr viel sorgfältige Planung in das Projekt einfloss, war es doch ein großartiger Moment, als alle Montagearbeiten abgeschlossen waren und tatsächlich alles millimetergenau zusammenpasste: „französische“ Maurer- und Schreinerarbeiten und ein „deutsches“ Thermometer ergaben ein Gesamtwerk, dass mit großem Applaus aufgenommen wurde. Bei der feierlichen Übergabe wurden von Seiten des Hospitals dann auch die Bau- und Fahrtkosten übernommen und alle Schüler erhielten ein Diplom und ein Geschenk. Ein regionaler Fernsehsender, Pressefotografen und Journalisten trugen dazu bei, dass die Schülerinnen und Schüler die Bedeutsamkeit ihrer Projektarbeit wahrnahmen und vor Stolz fast „platzten“.
Insgesamt war dieses europäische Projekt für die Schüler und die beteiligten Lehrkräfte, sowohl auf französischer als auch auf deutscher Seite, eine überaus positive Erfahrung, die sicherlich weitere gemeinsame Projekte nach sich ziehen wird. Auch die entstandenen persönlichen Kontakte zwischen den deutschen und französischen Schülern zeigen einmal mehr, was die französische Schulleiterin in ihrer Begrüßungsrede treffend formulierte: Junge Europäer, rücken immer näher!


